Nachruf für Dr. Friedrich Assländer

Zum Tod von Dr. Friedrich Assländer (19.06.1946 – 15.08.2022)

„Dasein mit Gewahrsein.
Lebendigkeit durch Gegenwärtigkeit.
Das Leben im Erleben.“

Dr. Friedrich Assländer

Friedrich Assländer war es ein Anliegen, Einsichten wie diese zu sammeln und weiterzugeben. Spiritualität war Friedrichs Lebensthema. Spiritualität hieß für ihn „mehr Leben“, frei nach David Steindl-Rast, dessen Weg der Dankbarkeit ihn ebenso inspirierte wie Thich Nhat Hanh’s Weg der Achtsamkeit.

„Für alles danken“ war ein Leitsatz Friedrichs, den ich mit meinem Nachruf aufgreife: Ich bin Friedrich für vieles dankbar. Ganz besonders dankbar bin ich ihm für die gemeinsame Arbeit im Haus Benedikt und in der Akademie Knegendorf, für den anregenden Austausch, das gute Miteinander. Durch Friedrich kam ich mit spirituellen Themen in Berührung, die meine Arbeit nachhaltig beeinflusst haben.

Das zunächst verbindende Element war Friedrichs zweites Herzensanliegen – die Aufstellungsarbeit. „Du musst mal zum Assländer gehen. Der macht tolle Organisationsaufstellungen“ hieß es damals in der Aufstellerszene. Ich lernte Friedrich 2005 durch die gemeinsame Gründungsarbeit für infosyon e.V., den Verband der Organisationsaufsteller kennen. Zu diesem Zeitpunkt war Friedrich schon ein gefragter Berater und Trainer und ein ausgezeichneter Redner. Nun wurde er einer der führenden Organisationsaufsteller. Er experimentierte gerne und entwickelte äußerst kreativ neue Anwendungsmöglichkeiten.

Nach langjähriger Meditationspraxis bei Willigis Jäger hatte Friedrich Assländer 2004 seinen Traum eines spirituellen Führungskräfteprogramms verwirklicht, in dem er zusammen mit Pater Anselm Grün und Bruder Isaak Grünberger das Programm ‚Führen und Geführtwerden‘ im Haus Benedikt gründete. Dieser Ort wurde für viele Menschen zu einer spirituellen Heimat und ich bin dankbar, dass ich dort bis zur Schließung des Hauses mitwirken durfte.

Friedrich hat Pionierarbeit geleistet, was Klosterseminare, Spiritualität in der Wirtschaft und auch die Aufstellungsarbeit betrifft. Er war einer der ersten, der Zeitmanagement jenseits der Techniken als weitergehende Frage nach dem Wesentlichen und der Selbstführung verstanden und vermittelt hat.

Von seinen diversen Veröffentlichungen möchte ich besonders zwei Bücher, die er mit Pater Anselm geschrieben hat, hervorheben: ‚Spirituell führen‘ (2006) und ‚Spirituell Zeit gestalten‘ (2008).

Friedrich Assländer konnte Menschen erreichen und inspirieren, mit Humor, Charme und seiner Präsenz. Immer blieb er auf der Suche nach Einsichten, um sie anderen weiterzugeben. In der Beratung hatte er eine enorm schnelle Auffassungsgabe, konnte rasch Dynamiken erkennen und Ansatzpunkte für Entwicklungen finden. Als Kollege teilte er sein Wissen freigiebig und war ein geschätzter Ratgeber.

Ruhestand gab es für Friedrich nicht. Weiterhin gab er eine Vielzahl von Seminaren und plante weit in die Zukunft. Vor allem aber wollte er noch schreiben – sein Wissen für uns festhalten. Dazu kam er nicht mehr. Am 15. August 2022 ist Friedrich Assländer nach kurzer Krankheit im Alter von 76 Jahren verstorben.

Horaz sagte ‚Ich werde nicht ganz sterben‘. Das gilt auch für Dr. Friedrich Assländer. Er hat viele Menschen inspiriert und seine Hinterlassenschaft wirkt auf vielfältige Weise weiter.

Mit Friedrich Assländer verliere ich einen sehr guten Freund und großherzigen Kollegen. Sein Tod ist ein großer Verlust für mich und für viele, die ihn kannten. Mein besonderes Mitgefühl gilt Friedrichs Familie, seinen vier Kindern und seinen Enkelkindern, mit denen er liebevoll verbunden war.

 

Lieber Friedrich, hab‘ eine gute Reise, wo immer sie Dich hinführt.

 

In Trauer und Dankbarkeit

Birgit Knegendorf