Coaching Kompetenz für Führungskräfte

Die Erwartungen an Führende und Geführte haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Die Arbeitswelt ist hochkomplex und neben klassischen Linienorganisationen entstehen zunehmend agile, selbstorganisierte Teamstrukturen. Eine Führungskraft muss daher mit Komplexität umgehen und hervorragend kommunizieren können. Während sie einerseits Macht an die Mitarbeiter abgibt, wird sie andererseits als Beziehungsmanagerin immer wichtiger. Sie berät und unterstützt, fördert Dialog und Konfliktbereitschaft. Die Führungskraft begeistert und weckt Verantwortungsbewusstsein. Als Leuchtturm gibt sie Halt und Orientierung. Besonders in der Corona-Situation ist sie in ihren sozialen und kommunikativen Kompetenzen gefordert. Wie kann die Kunst der neuen Führung gelingen?

 

Die Rolle der Führungskraft ist mehr und mehr mit der eines Coaches vergleichbar. Selbst wenn sie einen Mitarbeiter nicht im klassischen Sinne coacht, sind die Kompetenzen eines Coaches für moderne Führung äußerst dienlich. Das ist vielen Führungskräften bewusst.

 

Kürzlich meldete sich ein erfahrener und sehr erfolgreicher Geschäftsführer zu meiner Coaching-Ausbildung an. Ich vermutete zunächst, dass er die Seiten wechseln wolle, um als selbständiger Berater Führungskräfte zu coachen. Aber das war nicht sein Ziel. Vielmehr will er seine Führungskompetenzen ausbauen. Und dann gab er mir auf meine Frage, was er denn glaube, in der Ausbildung noch lernen zu müssen, die folgende Antwort: „Zuhören. Und besser verstehen können. Es gibt noch ganz viel, was ich lernen kann, Frau Knegendorf.“ Er hat mich mit seiner Klarheit und Selbstreflexion sehr beeindruckt. Letztere ist eine gute Voraussetzung für die Coaching Haltung, d.h. von einer wissenden in eine fragende und verstehen wollende Haltung zu wechseln.

 

Zusätzlich zum Zuhören braucht es das Hinterfragen dessen, was ich verstanden habe. Sonst kommt es zu Schnellschüssen, wenn ich vorschnell denke: „Das kenne ich. Das habe ich selbst schon erlebt und kenne die Lösung. Da müssen Sie Ihre Prioritäten klar definieren und…“ In diesem Fall verlässt die FK die coachende Haltung und gibt Ratschläge, anstatt in einer fragenden Haltung zu bleiben: „Was haben Sie schon versucht? Was noch nicht? Was funktionierte ansatzweise? Wann war das mal anders? Was haben Sie da anders gemacht?…“.

 

Für eine erfahrene Führungskraft sind das Machen und das Finden von Lösungen zu einem wesentlichen Teil ihrer Identität geworden. Doch genau das widerspricht der Coach-Rolle. Sich nicht auf die Lösung einer Aufgabe, sondern auf den Mitarbeiter zu konzentrieren und ihn oder das Team dabei zu unterstützen, eigene Lösungen zu finden, ist für viele eine Veränderung um 180° Grad. Und erfordert vor allem eines: Geduld und Übung.

 

Die nächste Herausforderung besteht darin, dass ich flexibel zwischen den unterschiedlichen Rollen wechseln können muss. Denn in der nächsten Situation kann ich wieder als Entscheider gefragt sein. Rollenklarheit und Rollentransparenz sind für alle Beteiligten zentral: In welcher Rolle befinde ich mit gerade? Bin ich Entscheider, Anweiser, Beurteiler, Unterstützer, Helfer, Coach? Und wie stimme ich diese Rolle mit meinen Mitarbeitern ab?

 

Weitere wichtige Coaching Kompetenzen für Führungskräfte sind:

  • Persönliche Kompetenzen wie eine gute Selbstkenntnis und Selbstreflexion, Empathie und Einfühlungsvermögen, Integrität, Allparteilichkeit
  • Systemisch denken, analysieren und intervenieren: Wechselwirkungen & Dynamiken verstehen, Muster erkennen, Vielperspektivität, Systemische Tools etc.
  • Kenntnis psychologischer Modellen aus der Persönlichkeits-,Verhaltens-, Kommunikations- und Organisationspsychologie
  • Change Kompetenz: Veränderungsprozesse einleiten und begleiten können – individuell und im Team
  • Ausgeprägte Kommunikationskompetenz und hier ganz besonders systemische, ressourcen- und lösungsorientierte Fragetechnik

Gerade mit Hilfe der Fragetechnik werden Führungskräfte zu einem wertvollen Gegenüber und Wegbegleiter für Ihre Mitarbeiter. Motivation und Zufriedenheit von Führenden und Geführten steigen und das Unternehmen gewinnt langfristig durch Kompetenzgewinn, Mitarbeiterbindung/-loyalität und Entlastung des Managements.

 

Schlüsselkompetenz Selbstcoaching

Last but not least: Natürlich können Sie das Erlernte auch für sich anwenden und sich selbst coachen – für mehr Leichtigkeit und Lebensqualität.